Wie geil sind ​Virtual-Reality-Pornos wirklich?

Vielen Menschen erschliesst sich der Reiz von Virtual-Reality-Headsets nicht. Kann man sie mit Pornofilmen überzeugen? Wie die Sexbranche versucht, aus der neuen Technik ein Geschäft zu machen – der Einblick.

Wird in Familien jemand beim Pornoschauen überrascht, ist das meist für alle Beteiligten unangenehm. Egal, ob nun Eltern ihrem Kind begegnen oder umgekehrt. In einigen Jahren könnte die Situation sogar noch komischer werden.

Denn bis dahin könnte es eine ernsthafte Option sein, sich Sexvideos nicht nur mit einem Kopfhörer, sondern auch mit einer klobigen Brille vorm Gesicht anschauen. Dank der neuen Virtual-Reality-Brillen wie Samsungs Gear VR und der Oculus Rift kommt die Menschheit den Sci-Fi-Sexvisionen gerade ein gutes Stück näher.

Seit jeher begrüsst die Pornobranche jede technische Neuerung mit grosser Begeisterung. Und nun schwärmt man dort von den neuen Möglichkeiten, die die virtuelle Realität (VR) bietet. Dass es 3D-Pornos für 3D-Fernseher nie wirklich in den Mainstream geschafft haben, scheint kaum jemanden abzuschrecken.

Brüste versus Steckdose

Tatsächlich vermitteln VR-Videos ein überraschend intensives Mittendrin-Gefühl. Das liegt einerseits am 3D-Effekt, anderseits daran, dass die Brillen Kopfbewegungen des Zuschauers in den Film übertragen. Wer sich also beispielsweise besonders für Brüste interessiert, der kann seinen Blick darauf konzentrieren.

Genauso gut kann man während der Sexszenen zur Seite schauen und überprüfen, ob der Stecker der Lampe noch korrekt in der Steckdose steckt. Das ist keine echte Interaktivität, aber eine ungewohnte Freiheit.

Als eine der ersten grösseren Firmen gab im Juli Naughty America, der Betreiber Dutzender Pornoportale, bekannt, jetzt auch VR-Filme im Angebot zu haben. «Unsere Kunden wollen so nah an die Realität ran wie möglich – ohne, dass ihnen die Realität in die Quere kommt», liess sich der Firmenchef damals zitieren.

Los ging es mit Kamera-Gewackel

Eine Vorstellung davon, was aktuelle Produktionen bieten, lässt sich auch ohne eigene VR-Brille bekommen – zum Beispiel mit der «Vice»-Doku «Die digitale Liebesindustrie», die sich neben VR-Filmen Sexspielen widmet.

Vorreiter im Filmsegment sind bislang Spezialfirmen wie VirtualRealPorn und BaDoink VR, die eigene Download-Plattformen betreiben. VirtualRealPorn ist seit Januar 2014 im Markt aktiv. Das Unternehmen startete mit Voyeur-Clips, samt wackelnder Kamera und einem knapp bemessenen 120-Grad-Blickfeld, das die Illusion von Blickfreiheit ziemlich zerstörte. Da half auch der Auftritt einer schlechten Lara-Croft-Kopie wenig:

Mittlerweile gibt es zum Beispiel einen Ableger für schwule Männer, die neueren Clips bieten ein 180-Grad-Blickfeld. Dadurch blickt man nur noch selten auf die schwarze Wand, an der das Bild links und rechts endet.

So kann man sich VR-Pornos vorstellen

Gefilmt sind viele VR-Pornos aus der Ich-Perspektive, also so, dass man sich meistens in der Rolle eines Mannes wähnt, der mit mal einer, mal zwei Darstellerinnen Sex hat – wobei die Frauen den aktiven Part übernehmen.

In einigen Clips wirkt der vermeintlich eigene Körper so passiv, dass man ihn kurzzeitig für eine Puppe oder eine Leiche hält. In anderen Videos wiederum bewegen sich die fremden, «eigenen» Hände so sehr, dass auch das den Zuschauer irritiert. Einige – jugendfreie – Eindrücke von VR-Pornos liefert unsere Fotostrecke.

Eine Wette auf die Zukunft

Noch sind VR-Produktionen vor allem eine Wette auf die Zukunft. Für den Download von ein paar Dutzend VR-Videos verlangen die Firmen derzeit zwischen zehn und 30 Euro im Monat: Mit diesen Preisen lässt sich noch nicht das grosse Geld machen, dafür sind zu wenige VR-Brillen im Umlauf. Die mehrere Gigabyte grossen Clips lassen sich zwar auch auf Googles Cardboard, also einer Papp-VR-Brille fürs Smartphone, anschauen, dieses Erlebnis ist jedoch weniger überzeugend, vor allem, weil die Bewegungserfassung hier weniger gut funktioniert.

Bis die aufwendigeren VR-Brillen im Massenmarkt ankommen, wird es noch dauern. Die Marktforscher von Gartner zum Beispiel prognostizieren, dass noch fünf bis zehn Jahre vergehen, bis die virtuelle Realität ihr Hype-Maximum erreicht.

Todd Glider, der Geschäftsführer von BaDoink sagt in einem Interview mit einem Porno-Branchendienst, er glaube nicht, dass die Technik die Branche komplett umkrempeln werde: «Nicht heute oder morgen.» Als Zielgruppe für die VR-Pornos sieht er junge Leute, die bereits im Zeitalter der Internetpornos gross wurden. Die älteren Generationen seien bereits zufrieden – für sie sei bereits das Internet «das grösste vorstellbare Porno-Geschenk» gewesen.

Doch auch das Ansprechen junger Leute wird eine Herausforderung: Etwa, weil man den Reiz der virtuellen Realität meist erst versteht, wenn man einmal eine solche Brille auf dem Kopf hatte. Viele Menschen sind zudem skeptisch, wenn es um Gadgets geht, die sowohl die Augen als auch die Ohren in Beschlag nehmen.

Beeindruckend und ein wenig unheimlich

Derzeit sind es vor allem Enthusiasten, die online Geld für VR-Pornos ausgeben. Von VirtualRealPorn heisst es auf Nachfrage, die meisten Kunden seien Menschen mit Technikkompetenz und einer Leidenschaft für VR, etwa Gamer und Programmierer.

Der breiten Masse dürfte die Idee des Mittendrin-Pornos bislang eher indirekt begegnet sein – etwa in YouTube-Videos wie dem Clip «VR Porn Reactions on Oculus From First-Time Virtual Reality Viewers», der bereits 13 Millionen Klicks gesammelt hat.

Setzt man eigenen Bekannten eine Oculus Rift auf und zeigt ihnen VR-Pornos, hört man viele ähnliche Sätze: ja, irgendwie beeindruckend sei das schon, und etwas anderes als YouPorn und Co. Aber das Schauen sei auch ein wenig unheimlich, etwa, wenn die Darstellerin näher kommt, um etwas zu flüstern oder wenn sie ständig Blickkontakt sucht. Oder wenn man schon wegen der Enge der Brille zu schwitzen beginnt.

Wer antwortet ehrlich?

Würde man solche Filme privat schauen? «Nee, ja, irgendwann einmal vielleicht, aber wohl eher nicht», lautet eine typische Antwort. Oder: «Die Achterbahnfahrt mit der Brille fühlte sich echter an.» Offen bleibt dabei, wie ehrlich solche Smalltalk-Antworten sind – Stichwort soziale Erwünschtheit.

Schwer abzusehen ist auch, wie sehr die Nachfrage nach VR-Pornos steigt, wenn erst einmal die Displays schärfer, die Darsteller bekannter, die Inhalte intelligenter und vielfältiger und die Brillen günstiger und vielleicht noch etwas leichter werden. Wird wirklich auch dann noch fast jeder dem «Vice»-Autor zustimmen, der nach einem Selbstversuch zum Fazit kam, «echten Sex wird eine VR-Brille trotzdem nie ersetzen können»?

«So als wäre man dabei»

Geht es nach VirtualRealPorn-Gründer Mike Kovalsky, sind die bisherigen Erlebnisse nur der Anfang. Er berichtet, sein Unternehmen arbeite an eigenen Videoplayern, die sich mit sogenannten Teledildonics synchronisieren lassen, damit diese elektronischen Sexspielzeuge im richtigen Tempo arbeiten.

Konkret bedeuten könnte das: Ist im Film zum Beispiel Oralsex zu sehen, könnte ein angeschlossener Vibrator oder Masturbator versuchen, das im passenden Takt zu simulieren. «Die Idee ist es, die Erfahrungen zusammenzubringen und die perfekte Immersion zu schaffen – so als wäre man dabei», sagt Kovalsky. Auch in der «Vice»-Doku sind solche Sex-Gadgets zu sehen.

Vielleicht wird es künftig also nicht nur eine klobige Brille sein, die bei spontanen Begegnungen von Eltern und Kindern Fragen aufwirft.

Zusammengefasst: Für VR-Brillen wie die Oculus Rift und die Gear VR sind bereits Pornofilme auf den Markt: Die Videos sind meistens aus der Ich-Perspektive gedreht, was im Zusammenspiel mit den übertragenen Kopfbewegungen und dem räumlichen Effekt ein Mittendrin-Gefühl erzeugt. Weil VR-Pornos eine neue Sparte sind, findet man bislang vor allem Mainstreamfilme für Männer. Optische Eindrücke liefert unsere jugendfreie Fotostrecke.

Quelle: www.watson.ch

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